Metal-Band Threatin täuscht Label, Fanbase und Ticketverkäufe vor - und spielt in leeren Clubs

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Detail Es ist die vielleicht schrägste Geschichte des Musikjahres: Ein Metalhead aus Los Angeles hat anscheinend für sein Ein-Mann-Projekt Threatin vom Label über die Fanbase bis hin zu Ticketverkäufen so ziemlich alles vorgetäuscht, um gegenüber Konzertveranstaltern relevant zu erscheinen - und stand bei seiner Europa-Tour nun in fast völlig leeren Clubs.

Social-Media-Follower sind gekauft, Zahlen jeder Art werden großzügigst nach oben aufgerundet oder Bands erklären sich in der Hoffnung auf die virale Explosion selbst unter falschem Namen zur kommenden Sensation der Szene - all das gehört zum Alltag in der Musikwelt 2018.

Metalhead Jered Threatin hat das künstliche Aufblasen der eigenen Band aber auf ein neues Niveau gehoben: So gut wie nichts von den Informationen, mit denen der aus Los Angeles stammende Musiker eine Europa-Tour seines Projekts Threatin ermöglichte, stimmte offenbar auch nur ansatzweise.

Auf den ersten Blick konnten Threatin dabei durchaus wie eine Band auf dem Sprung nach oben wirken: Es gab zigtausende Follower und Likes auf Kanälen wie Facebook - wo der Account mittlerweile gelöscht ist - und Youtube, Videos aus dem Mosh-Pit einer angeblich vollen Threatin-Show in den USA, Hunderte vermeintliche Ticketvorverkäufe und Fan-Zusagen auf Konzertportalen für die geplanten Europa-Termine, die auch nach intensiver Fürsprache von Promotern für die Band zustande gekommen waren.

Vor Ort folgte für Clubbetreiber und Support-Bands allerdings die große Ernüchterung: Statt hunderter Zuschauer tauchten beim ersten Konzert in London im Club The Underworld gerade einmal drei zahlende Gäste auf. Auch beim folgenden Auftritt in Bristol im Venue The Exchange waren statt der 180 von einem Promoter versprochen Zuschauer ausschließlich Fans von der Gästeliste der Supportband anwesend.

Nachdem die Geschichte im Internet die Runde machte, tauchten immer mehr Fragezeichen im Zusammenhang mit Threatin auf: Laut Medienberichten existiert auch Threatins Booking-Agentur Stageright Bookings nicht wirklich, an den vermeintlichen Livevideos kamen schnell Zweifel auf, weil man die Band nie richtig erkennen kann und der Sound verdächtig bearbeitet klang. Zudem sollen auch ein Fake-Label, ein Fake-Musikpreis, ein Fake-Musikmedium und eine Fake-Webdesign-Agentur zum Kosmos von Threatin gehört haben.

Ins Bild passt, dass offenbar auch die von Jered Threatin - dem einzigen Mitglied der Band - engagierten Livemusiker nichts von der Maskerade wussten, sodass Gitarrist und Schlagzeuger die Tour mittlerweile abgebrochen haben und auch die restlichen Termine abgesagt wurden. Ob Threatin weiter existieren sollen, ist bislang nicht bekannt; möglicherweise war der ganze "Skandal" auch genau so geplant. Vielleicht bleiben dem Musiker nach dem ganzen Hohn und Spott im Netz am Ende sogar ein paar richtige Fans - der käsige Metal bis Alternative Rock des Projekts lässt einen allerdings zweifeln.

Video: Threatin - "Living Is Dying"

Video: Mosh-Pit-Videeo eines angeblichen Threatin-Fans

Tweets: Threatin werden von britischen Venues entlarvt

Kommentare (1) | » schreiben

DANNYDEVITO,

Tja, da hält einer dem verlogenen Musikbiz einfach nur den Spiegel vor!

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