Britische Abgeordnete fordern Umverteilung von Streaming-Einnahmen

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Detail Ein Untersuchungsausschuss aus Mitgliedern des britischen Parlaments empfiehlt ein Gesetz, das eine 50/50-Verteilung zwischen Labels und Künstler:innen vorsieht.

Bereits im November hatten Radiohead-Gitarrist Ed O'Brien, Elbow-Frontmann Guy Garvey und Tom Gray von Gomez vor einem Untersuchungsausschuss zum Thema Streaming in der Musikindustrie ausgesagt. Der hat nun nach über einem halben Jahr Arbeit seine Schlüsse gezogen und für Musiker:innen "erbärmliche Erträge" kritisiert, wie die BBC berichtet.

"Während Streaming der Musikindustrie beträchtliche Profite eingebracht hat, verliert das Talent dahinter - Performer, Songwriter und Komponisten", so Julian Knight, Abgeordneter und Vorsitz des Auschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport. "Nur ein kompletter Neustart des Streamings, der ihre Rechte zu einem fairen Anteil der Einnahmen im Gesetz verankert, kann das."

Obwohl sich Streaming in den vergangenen zehn Jahren als das dominierende Modell etabliert hat, das für den Großteil der Einnahmen der Musikindustrie verantwortlich ist, ist die Vergütung verglichen mit physischer Musik oder auch Radio-Airplay erschreckend gering. Bei Spotify entspricht ein Stream einem Betrag zwischen 0,0023 und 0,0044 Cent. Grund dafür sind Label-Anteile, die nach dem Anteil des Streaming-Anbieters ebenfalls abgezogen werden.

Der Untersuchungsausschuss ist deshalb zu dem Schluss gekommen, dass eine faire Bezahlung von Musiker:innen am besten durch einen 50/50-Deal zwischen ihnen und den Labels in Bezug auf Streaming-Einnahmen zu ermöglichen ist. Und empfiehlt nun der Regierung ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden. Im Falle der Vergütung von Radio-Airplay ist der 50/50-Deal eine gängige Praxis. Die großen Majorlabels widersprechen allerdings. "Streaming ist rund um die Uhr in jedem Land der Welt verfügbar, man kann sich durch den größten Plattenladen überhaupt hören", so David Joseph, CEO von Universal Music UK. "Es ist offensichtlich ein Verkauf, es ist nicht das Radio, es ist on-demand."

Über das neue Gesetz hinaus empfiehlt der Untersuchungsausschuss weitere Schritte, etwa das Recht von Musiker:innen, die Rechte an ihrer Arbeit nach einer bestimmten Zeit von Labels zurückzufordern (eine ähnliche Rechtslage existiert in den USA), sowie mehr Transparenz von Publishern und Streaming-Anbietern. Warner und Universal Music wurden dazu aufgefordert, Künstler:innen Schulden zu erlassen, wie es Sony Music im Juni getan hatte.

Musiker:innen begrüßten die Ergebnisse des Ausschusses. Tom Gray, dessen #BrokenRecord-Kampagne der Anlass der Untersuchung war, zeigte sich erfreut. "Es fühlt sich wie eine riesige Rehabilitation an", so Gray. "Sie sind wirklich zu den selben Schlüssen gekommen, die wir schon so lange mitteilen."

Abseits der ungleichen Anteile zwischen Labels und Musiker:innen waren auch die Bezahlmodelle der Streaming-Anbieter, insbesondere Spotify, in den vergangenen Monaten Gegenstand zahlreicher Proteste wie der Kampagne "Justice At Spotify".

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