Platte der Woche

Best Coast - Always Tomorrow | 0

Best Coast - Always Tomorrow
  • VÖ: 21.02.2020
  • Label: Concord/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 324 - Schönheit der Ausgabe
  • Autor: Markus Hockenbrink
Best Coast folgen einer alten Rock’n’Roll-Tradition und machen ein Konzeptalbum über die Alkoholabstinenz. Ozzy Osbourne und Alice Cooper brauchten für ähnliche Unternehmungen länger, aber vielleicht ist Bethany Cosentino einfach schlauer.

Zehn Jahre ist sie jetzt im Geschäft und eigentlich festgenagelt auf das ewige Sonnenscheinchen, das jeden Herzschmerz mit einem Strandspaziergang wegwischen kann. Dieses Gefühl wie auf den nach wie vor ungeschlagenen ersten drei Non-Album-Singles in kurze, täuschend einfache Songs zu kleiden, macht immer noch einen Großteil von Best Coasts Charme aus. Allein, der Sängerin hat der dazugehörige Lifestyle nicht gut getan, immer öfter griff sie zur Flasche, denn mit Alkohol kann man nicht nur prima feiern, sondern auch prima ungewollte Gefühle übertünchen – jedenfalls für eine Weile. Der anschließende Kater führt dann gerne zu einer Neubewertung des Lebenswandels, der von einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio bis zu einer neuen Beziehung mit Jesus seinerseits fragwürdige Resultate zeitigen kann. Cosentino wählt die vernünftige Variante. Ihre Songs hätten angefangen, alle gleich zu klingen, singt sie an einer Stelle, und das ist natürlich ein alarmierendes Zeichen für eine Songwriterin, die ihr Handwerk ernst nimmt. Die Sängerin drückte die Pausetaste, stoppte den Tourbus und nüchterte kräftig aus, um sich zukünftig das Fliesenküssen im Badezimmer zu ersparen. "Always Tomorrow" ist das Dokument dieser Episode und strotzt nur so von optimistischen Ansagen, die einer harten Selbstanalyse abgetrotzt worden sind. Die dazugehörigen Texte handeln sehr schön plastisch davon, wie Cosentino sich wieder selbst zu lieben beginnt, wie sie ihr Bett mit einem blassrosa Laken neu bezieht und sich gleich mehrfach den Kinderfilmklassiker "Die Flucht zum Hexenberg" ansieht. Die Musik dazu lässt die Sonne knallen, die bei Best Coast ja nie wirklich weg war, verstärkt durch die bisher lautesten Gitarren des Duos. Stücke wie "Everything Has Changed" und "Master Of My Own Mind" tragen ihr Programm im Titel, die Melodien direkt auf der Haut und machen doch rechtzeitig vor der Esoterik Halt, die bei anderen Selbstfindungs-Safaris oft herausspringt. Ganz unabhängig von der Dauer ihrer Abstinenz ist "Always Tomorrow" ein großer Entwicklungssprung für Cosentino. Die Songwriterin, die in dieser Funktion auch auf den aktuellen Platten von Weezer und Sam Sparro mitgearbeitet hat, beweist mit dem Album, dass sie ihre Pop-Sensibilität nicht verloren hat und sich Best-Coast-Songs eben nicht immer nur um Liebe-in-Los-Angeles drehen müssen. This time it’s personal.

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