Platte der Woche

Fat White Family - Serfs Up | 0

Fat White Family - Serfs Up
  • VÖ: 19.04.2019
  • Label: Domino/Goodtogo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 314
  • Autor: Florian Schneider
  • Bewertung: 10 / 12
Als hätten die Brüder Lias und Nathan Saoudi den Schleier von ihrer Musik gerissen: "Serfs Up" ist ein glitzerndes Meisterwerk am Discokugelhimmel.

Ist das wirklich die gleiche Band wie auf "Songs For Our Mothers"? Auch da blitzten vereinzelt tanzbare Beats unter dem verschütteten Garage Rock des Kollektivs durch. Trotzdem ist "Serfs Up" ein Quantensprung. Der Titel erinnert nicht zu Unrecht an eins der besten Alben der Beach Boys. Denn mit Brian Wilsons Arrangements teilt sich die Fat White Family anno 2019 das Üppige. Fast in jedem Song übernehmen programmierte Beats das Kommando, die Gitarre wird darauf reduziert, den slicken Groove und das Hit-Potential von Songs wie "I Believe In Something Better" mit Störgeräuschen zu torpedieren. In "Vagina Dentata" manifestiert sich Wilsons Geist dann vollkommen; der Song holt aber auch die ab, die den Westcoast-Sound von Whitney feiern. Natürlich haben Fat White Family in dieser fluffigen Ballade auch ein Saxofon-Solo untergebracht. Vermutlich wäre es den Saoudis aber lieber, wenn man "Serfs Up" mit Bands wie Scritti Politti oder Heaven 17 in Verbindung bringt. Auch die versteckten eine politische Agenda hinter vermeintlich eingängiger Popmusik, um mit dieser Form der Subversion ein neues Bewusstsein zu wecken. So slick wie die Entwürfe von Green Gartside sind Fat White Family noch nicht, aber mehr als den halben Weg haben sie hinter sich – mit Songs wie dem pumpenden "Fringe Runner" mit seinen Depeche Mode-Synthies, dem geshuffleten Glam von "Tastes Good With The Money" und dem bei Pink Floyd abgeschauten, raumgreifenden Western "When I Leave". Wer möglichst viele erreichen will, muss sich eben an großen Namen orientieren.

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